Chronik

Aull


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Geschichte


Über das Alter der Burg sind wir auf Vermutungen angewiesen und es ist auch nicht nachweisbar, wann der älteste Teil  errichtet wurde. Anzunehmen ist, dass er aus dem 12.  Jahrhundert stammt.

Die erste Erwähnung fand das Hofgut Aull in einer Urkunde, datiert auf den 29. März 1284, in der die Herren von Helfenstein den Junker Otto von Diez mit dem Auller Hof und Wald belehnten. Wer vor 1284 Besitzer dieses Gutes war, ist nicht bekannt. Zu dem Gut gehörten neben dem Wald fast alle damals bebauten Felder. Bewirtschaftet wurde es von einem Pächter, der auch  den Wald zu betreuen hatte. Um 1400 starb das Geschlecht der Adeligen von Diez aus, und das erledigte Lehen Aull kam an die Rödel von Reiffenberg, die das Wohngebäude durch Um- und Anbauten vergrößerten.

Mit dem Tode Friedrichs von Reiffenberg starb 1492 dieses Geschlecht ebenfalls aus und die Koethe von Wanscheid wurden Lehensleute der Helfensteiner. Am Antoniustage 1521 verkaufte Johann Karl, Herr zu Helfenstein, Gut und Wald zu Aull an die Koethe von Wanscheid, die nunmehr die eigentliche Burg so ausbauten, wie wir sie heute noch sehen. 1558 waren die Arbeiten beendet. Diese Jahreszahl ist auf dem Portal im Inneren der Burg heute noch zu lesen.  

Nun nahmen die Koethe von Wanscheid, die wie die Adeligen von Diez und die Rödel von Reiffenberg im Dienste der Grafen von Diez standen, ihren ständigen Wohnsitz in Aull, den sie jedoch während des 30jährigen Krieges nach Diez verlegten. Natürlich ging auch dieser Krieg an der Alten Burg nicht spurlos vorüber. Sie war um 1650 in einem so jämmerlichen Zustand, dass sich Oberstleutnant Johann Friedrich Koeth von Wanscheid 1655 entschloss, sein Besitztum an Achaz Franz Freiherr von Hohenfeld zu Camberg zu verkaufen.
Die neuen Eigentümer wohnten in der Diezer Rezeptur, nutzten aber die Auller Burg als Sommerresidenz. Gegen den Willen seiner Gattin Barbara hielt Freiherr von Hohenfeld eine Meerkatze (Affenart) als Haustier. Das jüngste Kind der Familie von Hohenfeld, der kleine Emmerich Franz, spielte besonders gern mit dem exotischen Tier, sehr zum Ärger seiner Mutter, die sich für das Haustier ihres Gatten nicht erwärmen konnte.

Am 4. Dezember 1654, am Barbaratag, wurde in dem Sommersitz der Familie ein rauschendes Fest veranstaltet. Auch Söhnchen Emmerich Franz und die Meerkatze Gog mussten unbedingt anwesend sein. Anscheinend spielte der Kleine zu übermütig mit dem Tier, denn plötzlich wurde er von dem Affen gebissen. Auf dem Weg nach Diez verblutete Emmerich Franz.  Noch heute erinnert ein großer Grabstein aus nassauischem Marmor in der Diezer Stiftskirche an den kleinen Emmerich Franz von Hohenfeld. Die Meerkatze Gog wurde getötet und im Garten der Auller Burg vergraben.

Dargestellt auf dem Stein aus nassauischem Marmor ist ein Knabe in langem Brokatgewand, der auf einem geflügelten Engelskopf steht, und eine Rose vor seine Brust hält. Mit der rechten Hand  stützt er sich auf eine Sanduhr, die sich neben einem Totenkopf und einer brennenden Kerze auf einem Altar befindet.

Die Burg wurde um 1660 einer gründlichen Erneuerung unterzogen. Lange Jahre blieb sie vor Plünderungen bewahrt, bis die Koalitionskriege (1792 - 1807) wieder böse Zeiten brachten. Etwa in der Zeit von 1815 bis 1820 ließ Herr Domdechant Freiherr von Hohenfeld wieder die demolierten Gebäude herrichten. Nach dem Aussterben derer von Hohenfeld im Jahre 1822 wurden die Herren von Schütz Besitzer des Hofgutes; der Wald war inzwischen in den Besitz der Gemeinde übergegangen.

Die Besitzer des Gutes in den letzten 100 Jahren waren von 1843 bis 1866 Friedrich Wilhelm von Schütz, von 1866 bis 1876 Moritz von Schütz, genannt von Bechtolsheim,  von 1876 -1924. Freiin Maria von Schütz und ihr späterer Gemahl Herr von Freiberg-Schütz. Von diesen erwarb  der Landwirt August Müller 1924  die Burg mit der Hälfte der Ländereien. Die andere Hälfte kauften Auller Landwirte. 1948 ging der Besitz an seine Tochter Emmi Langschied über und seit 1993 gehört er Richard Langschied.

Topografie

Die Alte Burg sucht man vergebens auf einem Berg; sie befindet sich  im Hambachtal, etwa 300 Meter von der Mündung des Hambachs in die Lahn entfernt. Es handelt sich also um eine Wasserburg in Fachwerkbauweise. Einst stand  sie wohl auf einem Erdhügel in einem Sumpfgelände und war von einer Wehrmauer und einem tiefen Wassergraben umgeben. Aufgrund dieser topografischen Situation könnte es sich bei dem ursprünglichen Bau um eine Motte gehandelt haben. Früher schlossen sich an das eigentliche Wohnhaus in einem weiten Viereck Gesindehaus, Ställe, Scheune und sonstige Wirtschaftsgebäude an. An der Südseite ließen die Gebäude einen Durchgang frei und dort lag der durch eine Zugbrücke verschlossene Eingang zum Burghof. Am nördlichen Ausgang befand sich ein überbautes Tor, von dem aus ein Knüppeldamm durch den Sumpf führte. Die Umgebung der Burg wurde im 18. und 19. Jahrhundert stark verändert. Das Gelände wurde aufgefüllt, der Wassergraben verschwand und so wurde  die Trockenlegung der nassen Wiesen erreicht. Als 1876 die Bezirksstraße in Richtung Hambach gebaut wurde, legte man auch den Weg zur Burg neu an und verwendete dabei Steine der alten Wehrmauer, die vollkommen verschwand.

Die Umgebung der Burg wurde im 18. und 19. Jahrhundert stark verändert. Das Gelände wurde aufgefüllt, der Wassergraben verschwand und so wurde  die Trockenlegung der nassen Wiesen erreicht. Als 1876 die Bezirksstraße in Richtung Hambach gebaut wurde, legte man auch den Weg zur Burg neu an und verwendete dabei Steine der alten Wehrmauer, die vollkommen verschwand.

Die letzten Um- und Zubauten der Burg  sind im 18. Jahrhundert erfolgt. Im Jahre 1899 kam es zu einem großen Brand, dabei wurden die ehemaligen Wirtschaftgebäude, vernichtet.  Die im Jahre 1900 neu errichtete Scheune  wurde verpachtet, das Wohnhaus von den Besitzern nicht genutzt. So war es dem Verfall preisgegeben und Leute siedelten sich an, von deren Anwesenheit noch heute Spuren im oberen Speicher zu sehen sind.